Iceland Big Paperworks & Icelandic Notes

2013 verbrachte ich drei Monate in verschiedenen residencies auf Island. Diese Reise schenkte mir persönlich wichtige Erfahrungen, intensive Erlebnisse sowie einen malerisch entscheidenden Einfluss.
Doch zunächst hatte ich Zweifel: Es erschien mir geradezu lächerlich diese unglaubliche Landschaft überhaupt darstellen zu wollen. Sie sprach in all ihrer Kraft und Magie so sehr für sich, dass es hier von meiner Warte aus nichts mehr hinzuzufügen gab. Trotzdem arbeitete ich.
Nach meinen früheren, noch viel gegenständlicheren Landschaftsdarstellungen, begannen sich die konkreten Gegenstände auf Island mehr und mehr aufzulösen. Die Abbildung von etwas Gesehenem entwickelte sich mehr und mehr zu einer Frage nach Raum und dessen Darstellbarkeit.
Wie konnte ich verfestigte Formwelten und Vorstellungsräume transformieren? Wie sollte ich dem scheinbaren Widerspruch aus Geist und Materie, aus Mythen und Wissenschaften, mit dem ich hier konfrontiert war, malerisch begegnen? Wie gehe ich überhaupt als Malerin mit der menschlichen Konstruktion von Realität um?
Bei aller Fülle an vorhandenem Fachwissen unterschiedlicher Disziplinen über unsere Welt blieb und bleibe ich als „Bilder-Macher“ in all meinen Fragen am Ende doch zurückgeworfen auf den direkten Arbeitsprozess an der Fläche.
Zunächst aus eher leidlich pragmatischen Transportgründen fand ich hier zum Papier als Bildträger, das bis heute mein Arbeitsmaterial geblieben ist und die Leinwand mittlerweile vollständig abgelöst hat. Ich begann Collage in die Bilder zu integrieren und fand zu einer Vermischung von unterschiedlichen Zeichen- und Maltechniken, in der ich mich wiederfand und besser als „nur“ mit Öl auf Leinwand zu Formen gelangte, nach denen ich suchte.
Dabei wurde der Arbeitsprozess ebenso wichtig wie konkrete Ergebnisse. Ich versuchte mit dem Gesehenen so umzugehen, wie es mir die Landschaften vor Ort vorgaben. Mein Material wurde überarbeitet, abgetragen, aufgebaut, ausgewaschen, verworfen und wieder neu gefunden, bis sich ein eigenständiger Bildraum eröffnete, in dem ich mich frei bewegen konnte.